Dialoge Schreiben – Schreibaufgabe 7

Und auch wieder das Transskript…

 

Hallo zusammen,
heute geht es um Dialoge. Mit Dialogen, wenn Sie gut sind, gewinnt eine Geschichte an mehr Fahrt. Schon allein aus dem Grund, dass der Leser die Seiten schneller durchblättert. Damit das klappt, gibt es einige Dinge zu beachten, auf die ich jetzt kurz eingehe, um dann zur Aufgabe zu kommen.
Zwischendurch schauen wir uns einige Beispiele aus Film und Fernsehen an und schauen, was wir auch aus schlechten Dialogen lernen können.

Wie immer ist auch die Newsletter Aufgabe unten in der Videobeschreibung zum Download verlinkt. Diese fing damals mit dem folgenden Dialog an:
„Gibst du mir bitte mal das Salz rüber?“ „
Gerne. Hier.“
„Danke.“
„Bitte.“

An diesen vier kargen Sätzen kann man gleich einiges lernen.

1. Der Dialog kommt ohne »…sagte sie,« »… erwiderter er« aus. Man kann es schreiben, wenn es aber aus dem Kontext hervorgeht, wer gerade spricht, dann kann man es weglassen. Zwischendurch kann man auch andere Hinweise einstreuen, die weniger eintönig als das übliche »sagte xxx«. Zum Beispiel »Gibst du mir bitte mal das Salz rüber?« Peter schaute zu Anna und zeigte auf das Salz in der Mitte des Tisches. Ideal ist es, wenn ihr für eure Charaktere eigene »Stimmen« entwickelt. Das kann die Wortwahl sein oder besonders kurze oder lange Sätze oder eine »Catch-Phrase« so dass der Leser schon weiß wer spricht, ohne das es extra gesagt werden muss. Gerade bei vielen Charakteren hilft das dem Leser, nicht den Überblick zu verlieren.

2. Es ist stinklangweilig. Nach dem Dialog ist die Welt keine andere. Wenn nicht gleich im Anschluss eine Szene kommt, in der das Salz eine zentrale Rolle spielt, dann kann dieser Dialog auch ohne Schaden an jede vorstellbare Handlung gestrichen werden. Wichtig ist, zuerst zu wissen, wohin die Handlung denn gehen soll. Was wollen die einzelnen Personen und wie versuchen sie, ihr Ziel zu erreichen? Wer »gewinnt« am Ende und wie stehen die anderen da.

Hier fehlt also der Konflikt. Ein Konflikt ist besonders wichtig, wenn ihr in den Dialogen Informationen übermitteln wollt, die ihr nicht mit dem Erzähler vermittelt – die der Leser aber zum verstehen der Folgehandlung benötigt. Nichts ist langweiliger als ein Abschnitt einer als Dialog getarnten Erklärung. Wenn ihr etwas derartiges wollt, dann bettet es in einen Konflikt ein. Person 1 hat die Information und Person 2 will Sie – aber Person 1 will Sie nicht erzählen.

Jetzt hier ein Musterbeispiel an Konflikt, das zeigen soll, dass nur Konflikt auch keine Lösung ist. Ihr kennt ihn sicher schon, mein Namensvetter Andreas aus »Frauentausch« – nur ein paar Sekunden – ich verlinke den Rest in der Videobeschreibung..

Schlechte Schauspieler und schlechte Dialoge aber trotzdem, was können wir hier lernen?

1. Konflikt heißt nicht immer, dass es total eskalieren muss. Der Konflikt muss im Handlungsrahmen angemessen wirken. Das hier ist einfach jemand, dem vom Regisseur gesagt wurde, jetzt raste mal richtig aus …

2. An den Schnitten können wir sehen, dass ein Dialog auch ohne Worte stattfinden kann. Ihr könnt also auch als Antwort eine Handlung schreiben. Hier gilt wieder das »Show don’t tell«. Ich habe also eine Szene mit einem Dialog, wo ich am Anfang weiß wie es ausgehen soll, dass es einen Konflikt und einen Dialog geben wird. Dann kann ich mir auch überlegen, wie ich zeigen will, wer sein Ziel erreicht und wer einstecken muss und wie lt. meiner Charakterausarbeitung diejenigen darauf reagieren werden.

Hier ein Klassiker für Informationsübermittlung:

Für den Zuschauer ist es hier wichtig, zu wissen, was Rambo denn später alles so einsetzen kann. Deswegen wird das erklärt, damit wir uns später nicht fragen, in welcher Tasche er denn jetzt wieder die Sprengzünder und das Licht hatte. Der Konflikt hier ist nicht der Rede Wert. Rambo sagt er ist allein, sein Kollege meint er braucht mehr Leute (nicht im Ausschnitt). Wir als Zuschauer wissen, Rambo hat recht. Es geht also nicht wirklich um etwas hier. Und was ist das hier? Blaues Licht und was macht es – es leuchtet blau. Ist sozusagen der Zuckerguss über dem ganzen unsinnigen Segment. Das uns mit einer Mischung aus »Soll ich jetzt Lachen oder das Kino verlassen« Verwirrung zurück lässt. Immerhin hat dieser Zuckerguss einen gewissen Kultstatus erreicht, wie man an den vielen Parodien sehen kann. Die Starwars Parodie habe ich auch verlinkt. https://www.youtube.com/watch?v=4jv6Vv75DkI

Auf zum nächsten Beispiel:

Tarentino ist bekannt für seine Dialoge, doch was können wir aus der Autofahrt hier lernen, wo doch einfach nur über belangloses Zeugs gesprochen wird? Ist dies nicht ein Dialog, denn man ersatzlos streichen könnte? Bringt er die Geschichte voran? Was interessiert es uns, dass wir in Paris im McDonalds Bier kaufen können?

Der Film wird nicht in chronologischer Reihenfolge gezeigt. Die Szene hier kommt direkt nach dem Vorspann und wir kennen die beiden Charaktere noch nicht. Wir wissen noch nicht, dass sie zwei Killer sind. Durch den Dialog werden die Charaktere vorgestellt und wir bekommen einen ersten Eindruck. Sie unterhalten sich über »normales Zeugs« und außer den schwarzen Anzügen fällt uns nichts weiter auf. Es sind also zwei nette Kerle von Nebenan. Ein paar Minuten später ändert sich das Bild und wir sehen die beiden Waffen aus dem Kofferraum holen und sie fangen an sich über Ihren Chef zu unterhalten. Langsam begreifen wir, dass die beiden zwei abgebrühte Verbrecher sein müssen. Auf dem Weg zu einem Überfall oder Mord – und sie unterhalten sich immernoch über normale Sachen. Wer die Szene weiterschaut bis zum Abschluss in der Wohnung, der kann dann auch noch eine Technik entdecken, die nicht nur im Dialog genutzt werden kann. Im scheinbar sinnlosen Dialog reden sie über das metrische System und siehe da – dass wird in der nächsten Szene wieder verwendet. So wird der Dialog im Nachhinein auch noch einmal bedeutsamer. Es wird also etwas gesäht und dann später geerntet. Dazu kommt vielleicht in Zukunft noch einmal eine extra Aufgabe.

Jetzt noch ein großer Unterschied zwischen Film Dialog und geschriebenen Dialog. Eine Möglichkeit Charaktere unterschiedliche Persönlichkeiten zu geben ist wie gesagt auch Ihnen eine eigene Stimme zu geben. Im Film muss ein Akzent oder ein Dialekt zum Beispiel durchgängig gesprochen werden. Im Buch reicht es, wenn wir einzelne Worte einbauen und den Rest in Hochdeutsch schreiben. Gleiches gilt für Lispeln, stottern oder ähnliches.

So genug der rauen Theorie jetzt die Aufgabe und damit die Aufforderung, möglichst viele der genannten Beispiele in den Dialog einzubauen.

Schreibt einen Dialog mit zwei Personen. Nehmt gerne zwei von euch geschaffene Charaktere. Die Handlung soll sich wie folgt entwickeln.

Charakter 1 möchte, dass Charakter 2 einen Ladendiebstahl begeht. Charakter 2 will dies auf keinen Fall – aber möchte etwas von Charakter 1 (egal ob Gegenstand, Gefälligkeit oder ähnliches).

Überlegt euch im Vorwege – wer bekommt, was er will? Einer, beide – keiner? Schreibt ein klein wenig Einleitung vor dem Dialog, damit aus dem ganzen eine vollständige Kurzgeschichte wird.

Das war es für heute. Schreibt eure Ergebnisse gern in die Kommentare! Ich wünsche viel Spaß beim Schreiben und bis zur nächsten Woche.

 

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