Erzählperspektiven

Heute geht es um Erzählperspektiven. Ich werde auf die klassischen Erzählperspektiven nur ganz kurz und grob eingehen und euch ein paar weiterführende Links in die Videobeschreibung setzen. Heute geht es hauptsächlich um die Übung.

Wählt ihr in einem längeren Text eine Perspektive, so könnt ihr diese natürlich wechseln. Damit es für den Leser einleuchtend bleibt, solltet ihr als Autor euch bewusst sein, was ihr tut. Denkt immer daran – auch wenn ihr den Erzähler schreibt, so seid ihr nicht der Erzähler. Auch der Erzähler kann eine Persönlichkeit haben. Vielleicht ist er neutral, vielleicht aber auch zynisch usw. Außerdem wechselt am besten nicht inmitten einer Szene die Perspektive, das verwirrt.

Wählt ihr den »allwissenden« Erzähler (den auktorialen Erzähler) dann kennt dieser die Gedanken der anderen Figuren und kann diese auch kommentieren oder bewerten. Was dieser sagt, entspricht dann auch den Tatsachen und ist nicht nur die Meinung einer Figur.

Beispiel:
Helmut war ein langweiliger aber herzensguter Mensch. Ganz im Gegensatz dazu, sein zwei Minuten älterer Zwillingsbruder Peter. Herzensgüte und Grausamkeit wurden bei der Geburt der Zwillinge auf jeweils nur einen der Beiden verteilt. Die Eltern würden dies erst viel zu spät begreifen.

Das ist nicht aus der Sicht einer der beiden Personen erzählt, sondern von einem Erzähler, der das Universum der Geschichte kennt. Wir können uns als Leser sicher sein, dass Peter keine flauschige Kaninchen Sammlung oder Ähnliches hat, sondern erwarten von ihm Grausamkeiten – vielleicht sogar gegenüber seines Bruders Helmut.

Wähle ich zum Beispiel nun die Ich-perspektive – zum Beispiel von Juliane – einer Freundin der Beiden, sieht dies ganz anders aus.

Ja, ich war mit beiden Zwillingen zusammen. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten passten zu unterschiedlichen Phasen meines Lebens. Helmut half mir durch eine schwere Zeit, aber auf Dauer war er mir zu langweilig und zu viel »Pudding«. Peter war eindeutig der stärkere der Beiden. Klar. Er war der Ältere, aber er hatte auch etwas an sich, was mich faszinierte und mir gleichzeitig Angst machte. Die Unterschiede waren mir schon bewusst und ich glaube, lange Zeit wollte ich mir nicht des vollen Ausmaßes bewusst werden.

Juliane berichtet hier nur über Ihre Erfahrung mit den beiden Zwillingen. Angedeutet habe ich das gleiche wie oben. Nur habe ich hier jetzt die Option, dass zum Beispiel Helmut trotz seiner Herzensgüte und Langeweile der »böse« Zwilling ist.

Auch wenn ich nicht in der Ich-Perspektive schreibe, sondern einfach die Geschichte aus Sicht einer Person, kann ich dies tun. Ich muss mir dann aber bewusst sein, was diese Person wissen kann und was nicht.

Das war jetzt nur sehr grob die Theorie und wer das für Schule oder Ähnliches benötig, der sollte auf jeden Fall noch ein paar weitere Informationen dazu lesen. Gute Links, die ich gefunden habe, sind in der Video Beschreibung.

Jetzt ein paar Übungen zum Thema. Folgende Szene ist die Ausgangsbasis. Schreibt eure Ergebnisse gern in die Kommentare! Wenn euch die Aufgabe gefällt, lasst kein einen Daumen oder ein Abo da!

Lost gehts:

Drei Personen sitzen in der Wildnis um ein Lagerfeuer. Sie sind den ganzen Tag zu Fuß unterwegs gewesen und der nächste Tag wird ähnlich anstrengend werden. Sie sind gerade fertig mit dem Essen und nun wird ein Joint/Zigarette/Bier/Milchschnitte herumgereicht.

Schreibt diese Szene. Benutzt Dialog und Erzählung. Wechselt die Ich-Perspektive mit der Weitergabe des Joints an die nächste Person. Also nur die Person, die den Joint hat, kann über Ihre Gedanken berichten. Die anderen können sprechen im Dialog, aber nur die Person mit dem Joint kann Gedanken reflektieren.

Wenn ihr damit fertig seid, dann schreibt das gleiche noch einmal, und zwar aus der Sicht einer Person, die die Gruppe aus dem Unterholz beobachtet.

Dann schreibt die Szene um, aus der Sicht eines Tieres, welches die 3 Personen und die Person im Unterholz beobachtet.

Zu guter Letzt schreibt die Szene aus der Sicht des Joints!

Also ruhig unterschiedliche Perspektiven ausprobieren. Ähnlich wie in der Fotografie kommt manchmal etwas erstaunlich Gutes dabei heraus.

Wer noch immer nicht genug hat, der kann sich noch folgender Ideen bedienen:

– Schreibt ein Alltagserlebnis aus der Sicht einer Person, die dabei war (z.B. Zahnarztbesuch aus der Sicht des Zahnarztes)

– Schreibt ein Alltagserlebnis aus eurer Sicht – aber ersetzt euch in der Szene durch eine bekannte Person und schreibt, wie diese die gleiche Situation gemeistert hätte.

Dieses Spiel könnt ihr beliebig fortsetzen. Schreibt Charaktere, die ihr entwickelt habt, in eure alltäglichen Situationen.

Schreibt euch in euer Lieblingsbuch!

Viel Spaß beim Schreiben!

 

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